Impuls zum 3. Sonntag nach Epiphanias

Pfarrer Dr. Lars Heinemann

Dr. Lars Heinemann
Pfarrer an St. Katharinen

Girolamo Frescobaldi, 1583–1643
Toccata quinta
Prof. Martin Lücker an der Riegerorgel in St. Katharinen

Lebendiges Wasser, Wasser des Lebens

Liebe Besucher*innen der Homepage:

Gib mir dieses Wasser!“ – so bittet die namenlose Samariterin. Jesus und sie begegnen sich an einem Brunnen, tief in Samarien, für Jesus und seine Jünger fremdes Land. Jesus bittet sie um Wasser, die beiden kommen ins Gespräch. Dabei geht es immer tiefer, von der Bitte um einen Schluck zu trinken bis hin zum „Lebendigen Wasser“, das Jesus verspricht. Und für die Frau ist klar, sie weiß instinktiv, dass sie von dieser Quelle trinken möchte: „Gib mir dieses Wasser!“ (Johannesevangelium, Kapitel 4, Verse 5-15)

Und ja, dieses lebendige Wasser stelle ich mir als eines vor, das den Durst nach Glück und Liebe stillt, den Durst nach Frieden und nach Sinn. Es ist der Durst, der mein Leben ist. Sehnsüchtig strecken wir uns danach, hier nicht mehr immer neu schöpfen, nicht immer neu trinken zu müssen.

Und Jesus, der Christus verspricht: Ich bin das Lebendige Wasser.

Das ist ganz nach dem Geschmack des Johannesevangeliums. Es zeichnet den Christus hoheitlich und mächtig. Er allein ist die Quelle des Lebens: Wir durstig, bedürftig, ohnmächtig – Christus dagegen das Lebendige Wasser, das jeden Durst löscht.

Aber ist das schon alles?

Nicht ganz.

Denn die Szene beschreibt Jesus, den Christus auch anders: Müde ist er, hungrig und durstig. Er bittet die Samariterin ja seinerseits um Wasser. Er befindet sich tief in der Fremde, auf für ihn neuem, unbekanntem Terrain. Und wie wir auf ihn angewiesen sind, so zeigt sich auch Jesus angewiesen auf die Samariterin – auf uns, uns Menschen.

Ob Gott auch durstig ist? Durstig nach Begegnung, durstig danach, sich zu beziehen auf uns, mit uns, lebendig wie wir sind?

Das Lebendige Wasser, das Christus verspricht – es soll in uns wiederum zu einer Quelle des Lebendigen werden (Vers 14). Für uns, für Andere – und wohl auch für Gott selbst. Das einfache Bild des hoheitlichen und mächtigen Christus, des majestätischen Gottes einerseits, und uns durstigen und ohnmächtigen Menschen andererseits, es gerät dadurch in Bewegung.

Eigentlich sieht das Johannesevangelium nicht einfach Gott auf der einen Seite und uns auf der anderen Seite. Sondern Gott in uns und wir in Gott – das ist die tiefe Wahrheit des Johannes. Er hat für dieses In- und Miteinander einen Namen: Geist.

Gott ist Geist“ – so sagt Jesus, der Christus es der Samariterin (Vers 24). Denn so, im Geist, ist es lebendig zwischen Gott und uns.

Natürlich bleibt die Bitte ein Leben lang: „Gib mir dieses Wasser!“ Aber unter unseren Lebens-Durst mischt sich doch auch mehr: Es ist schon etwas in mir von jenem Lebendigen Wasser, das Gott verspricht. In unseren Lebens-Durst legt sich ein Glauben, ein ahnendes Wissen, dass wir nicht nur hier schon quellen, lebendig sind. Sondern dann auch dort, in Ewigkeit.

Lebendiges Wasser, Wasser des Lebens.

Bleiben Sie behütet. Amen

Ihr Pfarrer Dr. Lars Heinemann

Johann Sebastian Bach, 1685–1750
Präludium C-Dur BWV 547
Prof. Martin Lücker an der Riegerorgel in St. Katharinen